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05.01.2021

Zum Hochfest Epiphanie

Ausschnitt aus dem St. Walburger Tafelbild "Anbetung der Könige" im Nonnenchor

Hier in Deutschland heißt das Fest der Epiphanie, das wir am 6. Januar feiern, eher „Drei-Königs-Fest“, wenigstens im Volksmund. Die drei Hoheiten in exotischen Prachtgewänder, begleitet von Dienern, Kamelen, sogar Elefanten, sind beliebte Bestandteile zahlreicher Krippenszenen.
Wenn man das Evangelium des Tages genau anschaut, darf man sich fragen, wo die Kamele und Elefanten her kommen. Matthäus berichtet von „Sterndeutern“, und lässt uns raten, wie sie vom Osten nach Bethlehem gereist sind. Er sagt auch nicht, wie viele es waren – die Gaben waren dreifach, aber von der Zahl der Menschen wissen wir nichts. Von „Königen“ ist auch keine Rede.
Viele dieser exotischen Details stammen aus der ersten Lesung der Hl. Messe, die aus dem Buch Jesaja entnommen ist (60.1-6)

3Und die Völker werden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht…  dein Herz wird erbeben und weit werden, wenn sich die Schätze der Völker am Meer zu dir kehren und der Reichtum der Völker zu dir kommt. 6Denn die Menge der Kamele wird dich bedecken, die jungen Kamele aus Midian und Efa. Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen und des Herrn Lob verkündigen.

In einer Predigt zu diesem Fest im Jahr 1987 hat Papst Benedikt XVI, damals als Josef Kardinal Ratzinger, auf diese Unterschiede aufmerksam gemacht. Bei Jesaja wird der Gott Israels von allen verehrt, „sodass die Könige der Völker sich vor ihm beugen, sodass sie von allen Enden der Erde her zu ihm ziehen und alle Kostbarkeiten der Welt vor ihm niederlegen.“
Im Vergleich, schreibt der künftige Papst, „erscheint das Ereignis von Betlehem nahezu armselig… Denn nicht die Könige der Erde und die Mächtigen kommen, sondern ein paar Weise, die von den anderen wohl für etwas sonderliche Menschen angesehen werden…Jerusalem erfährt davon, findet es aber nicht nötig, hinauszugehen, und selbst in Betlehem scheint sich niemand um diesen neugeborenen König der Juden zu kümmern.“

Die Bibel lässt sich gut von sich selber erläutern. Eine Stelle der heiligen Schrift wirft Licht auf andere Stellen. In und durch die Liturgie erleben wir die Worte Gottes in mehr als „3D“. Die sonderlichen Sterndeuter haben den Sohn Gottes erkannt, den König über allen anderen. Dadurch sind die selber Könige geworden.

M. Hildegard Dubnick OSB