Zum Inhalt springen
15.09.2021

Auf nach Prag! Noviziatswerkwoche

Der zweickentfremdeter Kapitelsaal des ehemaligen Kloster St. Gabriel mutet melancholisch an.

Die Noviziatsgruppe von unserer Föderation der Bayrischen Benediktinerinnen am Jan Hus Denkmal in Prag.

Sr. Columba (rechts) macht beim Kartoffelschälen gerne mit.

Von 30. August bis 3. September waren die „auszubildenden“ Schwestern unserer Föderation in Venio-Prag zur alljährlichen Noviziatswerkwoche eingeladen. Es ist immer eine bereichernde Zeit: Referate zu monastischen Themen, andere Klöster kennenlernen, und – vor allem – Austausch unter den Teilnehmerinnen.

Heuer fand die Woche in Prag statt, wo Schwestern der Abtei Venio 2007 eine Gemeinschaft auf dem Weißen Berg (Bilá Hora) gegründet hatten. Zur Erinnerung an die Schlacht am Weißen Berg 1620 stand hier schon seit dem frühen 18. Jahrhundert eine Wallfahrtskirche, aber die Anlage war in 20. Jahrhundert sehr heruntergekommen. Jetzt bemüht sich die Gemeinschaft von vier Schwestern ganz besonders um Versöhnung und Ökumene.

Normalerweise dreht sich die Werkwoche um eine Reihe von Vorträgen über ein bestimmtes spirituelles Thema. Diesmal lief das Programm etwas anders. Die Weltstadt Prag ist schon seit Jahrhunderten „multi-kulti“, und die Geschichte Europas lässt sich spürbar an den Straßen und Häusern ablesen. Deswegen haben sich die Novizenmeisterinnen der Föderation dafür entschieden, den Ort selber sozusagen zum Thema zu machen. Die Gruppe von jungen Schwestern und Magistrae hat kompetente „Insider-Führungen“ an bedeutenden Orten erfahren, wodurch für sie die Geschichte der Reformation lebendig wurde.

Die historischen Spannungen haben aber seit dem 17. Jahrhundert bei weitem nicht aufgehört. Auch zum Programm gehörte ein Besuch des ehemaligen Klosters St. Gabriel, der ersten Nonnengemeinschaft der Beuroner Kongregation, 1895 gegründet. Nach der Gründung des unabhängigen tschechischen Staates im Jahr 1919 wurden die deutschsprachigen Schwestern aus dem Land vertrieben. In kommunistischer Zeit ist das Postamt ins Kloster eingezogen. Jetzt wird das prächtige, aber heruntergekommene Gebäude durch eine Hotelfirma renoviert. In Prag „stolpert“ man mit jedem Schritt über die komplexe und wehmütige Geschichte Mitteleuropas.

Ganz wichtiger Bestandteil der Woche war die gelebte Gemeinschaft im Gästehaus der Venio Schwestern. Die Noviziatsgruppe hat zum größten Teil für sich selber kochen dürfen, manchmal waren auch alle Gastgeberinnen dabei. Daraus wuchs ein ganz natürliches, gemütliches und wohltuendes Miteinander.